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Dienstag, 27. Dezember 2016

Merry Christmas

Dieses Jahr ist gegen Ende noch mal so richtig schön hektisch geworden.

Der Dezember ging los mit der Weihnachtsfeier auf der Arbeit, der unerwarteten Kündigung unseres Teamchefs und ging dann weiter mit meinem Kurzausflug nach Deutschland.

Zwischen Filmen, Nürnberger Christkindlmarkt und dem Konzert meiner Lieblingsband habe ich es sogar noch geschafft, einen Besuch zuhause bei der lieben Familie und einen Friseurtermin in meinen Terminkalender zu quetschen.

Es war schön, so viele bekannte Gesichter in so kurzer Zeit zu sehen - nicht so schön war es, nach einem Konzert und nur zwei Stunden Schlaf zum Flughafen gefahren zu werden und dann dort morgens um 4 Uhr erstmal noch eine Stunde rumgammeln zu dürfen, bis genug Flughafenmitarbeiter da sind, um wenigstens die Sicherheitskontrolle durchzuführen. Hmpf.

Und das Konzert? Absolut großartig. Nicht nur die Poets of the Fall, für die ich ja da war, sondern auch die Vorband, Flight Brigade, kann ich nur wärmstens empfehlen. Hab mir direkt ihr Debutalbum mitgenommen und höre das seitdem rauf und runter.


Zurück in London bin ich dann auf der Arbeit und auch zuhause direkt in den Vorweihnachtsstress geraten. Nicht nur wollten so viele Klienten wie möglich schnell noch Übersetzungen angefertigt und korrigiert haben, nein - meine Mitbewohnerinnen haben beschlossen, dass wir ein "richtiges" Weihnachtsessen brauchen.

Mein Arbeitsplatz - mit Weihnachtsdeko
Unser Fenster mit Weihnachtsschmuck aus Sprühschnee und aufgeklebten Girlanden
 Zwischen all diesem Chaos kam dann das nächste Highlight - der Besuch meiner Eltern um London im schönsten Weihnachtschaos zu sehen. Schnee kann man hier natürlich vergessen, aber dafür haben wir kalten Wind bekommen und den ein oder anderen sonnigen Tag.





Weihnachten selbst war ... genau wie man erwarten würde, wenn man fünf Mädels, einen Truthahn, 3 Kilo Kartoffeln und etwa 20 Würstchen im Schlafrock plus die Zutaten für eine Schwarzwälder Kirschtorte alle in eine Küche steckt.

Die Küche sah aus wie ein Schlachtfeld, aber das Essen war dafür ein absolutes Festmahl und wir hatten extrem viel Spaß zusammen - auch wenn einige von uns dachten, sie würden platzen.

Der Truthahn, der wirklich extrem lecker war

Die "Beilagen"

Frohe Weihnachten von mir, Sabi, Mel, Naz und Jo!

Naz mit ihrer Schwarzwälder Kirschtorte
 Dazu gab es traditionelle Weihnachtsfilme - Kevin Allein Zuhaus und Thor.

Alles in Allem war es ein absolut gelungenes Fest. Mein erstes Weihnachten ohne Familie, dafür aber mit tollen Freunden und einem wirklich leckeren Truthahn.

Und obwohl 2016 offenbar wild entschlossen ist, das absolut schlimmste Jahr der jüngsten Geschichte zu werden und so viele bekannte Menschen wie möglich mitzunehmen, hoffe ich, dass ihr alle ein wunderschönes Weihnachtsfest hattet und das Jahr ruhig und zufrieden ausklingen lassen könnt. Ich persönlich werde an Silvester auf dem Grab von 2016 tanzen und mich dann im Januar von der neuen Staffel "Sherlock" im Kino ermorden lassen. Wie man seine Zuschauer fertig macht, weiß die BBC ganz genau.

Einen guten Rutsch euch allen.

Cheers!

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Zu alten Ufern


Naaa, erkennt es jemand?

The Shard - das neueste architektonische Wunderwerk, das einem in London als wortwörtlicher Dorn ins Auge sticht.

Hier hat es mich jetzt also hin verschlagen. London. Sechs Jahre nach meinem ersten Besuch in dieser wundervollen Stadt, von der ich schon damals sagte "Wenn ich jemals da arbeiten und wohnen kann, seht ihr nur noch meine Staubwolke."

Und jetzt bin ich hier, am Ziel.

Bisher hat auch fast alles reibungslos geklappt. Traumjob gefunden, WG-Zimmer gefunden, alle Sachen rübergeschleppt, etc.

Nur die Fluggesellschaft wollte ein wenig Abenteuer ins Spiel bringen. Auf der Liste der Dinge, die man NICHT hören möchte, wenn man schon im Flieger auf dem Rollfeld ist, steht "Wir haben ein technisches Problem und müssen in die Parkposition zurückkehren" recht weit oben. Aber nach eineinhalb Stunden Warterei sind wir dann doch noch losgeflogen und heil in London angekommen - ganz so schlimm kann die technische Panne also nicht gewesen sein.

Eine weitere Sache, die bisher nicht so gelaufen ist wie gewünscht: ein Bankkonto einrichten.

Erster Versuch: HSBC, gestern.
Ich: "Hallo, ich möchte ein Bankkonte eröffnen."
Bankangestellte: "Ende nächster Woche ist ein Termin frei."
Ich: "Oh. Das dauert aber lang. Naja, dann guck ich nochmal bei ner anderen Bank."
Bankangestellte. "Arbeiten Sie oder studieren Sie?"
Ich: "Ich arbeite." *Empfehlungsschreiben vom Arbeitgeber und Ausweis zeig*
Bankangestellte: "Können wir nicht akzeptieren, auf dem Schreiben fehlt Ihr zweiter Vorname."
Ich: "...."
Bankangestellte: "Lassen Sie das ausbessern und kommen Sie morgen wieder."

Kundenservice wie in Deutschland... kaum deutet man die Konkurrenz an, schon geht alles viel schneller.

Zweiter Versuch: Lloyds, heute.
Hab mir das Schreiben nochmal neu ausstellen und von Sabi auf der Arbeit ausdrucken lassen, denn unglücklicherweise gehören Drucker zu den Gegenständen, die man für gewöhnlich nicht dabei hat, wenn man in eine WG in einem anderen Land zieht.
Die nette Dame am Schalter hat das Schreiben auch direkt akzeptiert und mir einen Termin für morgen Mittag gegeben. Wie gut, dass ich ne Oyster Card habe, die ganzen Bahnfahrten würden sonst ganz schön aufs Geld gehen.

Abgesehen von diesen kleinen Startschwierigkeiten ist bisher aber alles gut gelaufen. Hab sogar einen Lidl in der Nähe und kann mich mit richtiger Salami und sogar Nürnberger Bratwürstchen versorgen.

Von meinen Mitbewohnern hab ich bisher erst drei kennen gelernt, einen davon auch erst zwei Minuten gesprochen, aber der zieht sowieso nächste Woche aus. Natürlich war seiner prompt der erste Name, den ich mir gemerkt habe - typisch.

Als Willkommensgeschenk an mich selbst habe ich mir auch direkt bei Waterstones zwei neue Bücher gekauft und online ein Sherlock Holmes T-shirt bestellt, weil ich ja von beidem noch nicht genug habe.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung ist dann, mir eine Pinnwand zu besorgen und ein paar Poster aufzuhängen, damit die Wände nicht ganz so kahl aussehen. Das bekannte Londoner Wetter wird es schwer haben, mich in eine Winterdepression zu treiben, sobald etwas mehr Farbe im Raum ist.

Mehr Fotos und weitere Berichte folgen am Sonntagabend - dieses Wochenende geh ich mit Sabi shoppen und "unsere" Stadt weiter erkunden, bzw. einigen altbekannten Lieblingsorten einen Besuch abstatten.

Cheers!

Sonntag, 14. Juni 2015

Odyssee ins Morgenland

Wie die meisten von euch ja mitbekommen haben, bin ich heute wieder nach Edinburgh geflogen. Normalerweise eigentlich nichts weiter Nennenswertes, aber diesmal ist so viel passiert, dass ich einfach einen Blogpost darüber schreiben muss.

Alle meine Flüge von und nach Edinburgh hatten bisher eine Gemeinsamkeit: Umsteigen in London Heathrow.

An sich kein Problem, ist ja alles schön übersichtlich und gut ausgeschildert. Dieses Mal hatte ich nur eine Stunde Zeit zum Umsteigen. Um 12:25 Uhr sollte mein Flieger aus Stuttgart landen und um 13:40 Uhr der Flieger nach Edinburgh starten. Auch kein Problem. Eine Stunde reicht völlig, um durch die Security zu kommen.

Auf der Fahrt zum Flughafen kamen mir dann aber doch Zweifel:
Ich: "Was, wenn mein Flieger aus Stuttgart Verspätung hat?"
Mom: "Ach, sowas passiert doch nicht, wie kommst du denn jetzt darauf?"
Ich: "War nur so ein Gedanke..."

Wir kamen am Flughafen an, brachten meinen Koffer zum Check-in und ich bekam meinen Boardingpass - und diese Information: "Der Flug hat Verspätung."

*kein Kommentar*

Nach kurzem aber herzlichen Abschied ging es dann ab durch die Security und zum Gate. An dieser Stelle holte ich das Buch aus meiner Tasche, das ich heute Morgen noch schnell eingepackt hatte: "Night Watch" von Terry Pratchett. Hab ich zwar schonmal gelesen, aber es ist eines meiner Lieblingsbücher und immer wieder gut.

Nach ca. 15 Minuten kam vom Schalter eine Durchsage: der Flug hat Verspätung, weil der Flieger aus London nicht verwendet werden konnte (ein Grund wurde nicht genannt). Der Ersatzflieger ist gerade aus London unterwegs nach Stuttgart.

Ein Blick auf die Anzeigetafel verriet mir die voraussichtliche Ankunftszeit des Flugzeugs in Stuttgart: 12:35 Uhr. Oh-oh...

Ich ging also mit meiner Boardkarte vor zum Schalter und erklärte, dass ich einen Anschlussflug nach Edinburgh hätte. Antwort vom Person: "Ja, das haben wir schon überprüft, Sie erwischen den Flieger noch."

Ich ging beruhigt zurück zu meinem Sitzplatz und las weiter.

Um 12:35 Uhr konnten wir dann wie erhofft mit dem Boarding beginnen. Kaum saßen alle auf ihren Plätzen, kam eine weitere Durchsage vom Piloten (ab jetzt waren alle Durchsagen ausschließlich auf Englisch, also gebe ich sie um ungefähren deutschen Wortlaut wieder):

"Unser Abflug verzögert sich, weil wir noch keine Starterlaubnis haben. Das kann jetzt noch 45-50 Minuten dauern. Für uns ist das auch eine ungewöhnliche Situation, aber wenn Sie Interesse haben, können Sie solange gerne nach vorne kommen und einen Blick ins Cockpit werfen."

Wie einige von euch vielleicht wissen, übersetze ich für meine Masterarbeit eine Folge der Radio-Comedyserie "Cabin Pressure", die von einer kleinen Charter-Airline handelt. Darin kommen gelegentlich auch einige Fachbegriffe vor. Und was macht man als Übersetzer, wenn man sich mit Fachjargon nicht auskennt? Genau - man fragt einen Experten.

Und so kam es, dass ich im Cockpit auf dem Sitz des Piloten saß und mir vom Co-Piloten genau erklären lies, was es denn nun mit dem Treibstoffausgleich auf sich hat, während hinter uns einige ältere Damen den Piloten beäugten, wie junge Mädchen kicherten und alle auf Deutsch davon schwärmten, wie gutaussehend er doch wäre (man denke an George Clooney, nur mit schmalerem Gesicht und irgendwie charmanter). Eine Stewardess im Hintergrund verstand kein Wort, war aber ganz schön verwirrt von dem Gekichere, bis ich sie über den Grund für all den Spaß aufklärte - da hat sie mitgelacht.

Nach den angedrohten 50 Minuten Verspätung ging es dann endlich los und ich konnte weiterlesen.

Kurz vor der Landung kam eine weitere Durchsage vom Piloten: "Es sind jetzt noch ca. 15 Minuten bis zur Landung-"
An dieser Stelle sagte mir ein Blick auf die Uhr, dass mein Flieger in zwei Minuten starten würde-
"- und alle Passagiere mit Anschlussflügen wurden umgebucht."

Super!

Nach dem Aussteigen wandte ich mich an den ersten Flughafenmitarbeiter, der mir unter die Augen kam, erklärte mein Problem und wurde an der SEHR langen Warteschlange für die Anschlussflüge vorbeigeschickt (haha) und direkt zur Boardingpass-Kontrolle geleitet. Unterwegs fragte ich eine weitere Mitarbeiterin, ob das wirklich so richtig wäre. Sie bestätigte mir das.

Ich ging also zum Schalter, erklärte mein Problem und wurde dahin zurückgeschickt, wo ich grade hergekommen war.

Ich ging zu der armen Mitarbeiterin, die ich eben schon gefragt hatte, erklärte was passiert war, und sie führte mich zurück zum Schalter, erklärte dem Mann dort genau das selbe, was ich auch schon gesagt hatte, er schaute kurz im System nach und TADAA! plötzlich hatte ich ein Ticket für einen Flug um 15:30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war es 14:10 Uhr.

Vorbei an der Boardingpass-Kontrolle, durch die Passkontrolle, eine Rolltreppe hoch, zur Security. Nochmal die Boardkarte kontrollieren lassen, das ganze Handgepäck aufs Laufband, durchleuchten lassen, am anderen Ende warten und ... die Kiste mit meinem Laptop, Laptoptasche und Kindle wurde per Zufallsprinzip für eine Stichprobe ausgewählt. Tasche und Kindle waren okay, vom Laptop wurden Abstriche gemacht. Ich frage mich, ob sie auf Sprengstoff oder Drogen getestet haben und wer denn so blöd ist, eines von beidem auf dem zugeklappten Laptop zu verwenden.

Mit noch etwa 40 Minuten Luft schaffte ich es zum Gate und mein Flieger nach Edinburgh startete pünktlich um 15:30 Uhr. Zur Erinnerung: eigentlich hätte ich schon um 15 Uhr in Edinburgh sein sollen.

Um 17 Uhr bin ich endlich gelandet und war gegen halb 6 an der Uni, wo die Haustür sich prompt weigerte, meine Schlüsselkarte zu akzeptieren, weshalb ich mein Gepäck die Treppe runter schleppen musste, um durch die andere Tür reinzugehen und dann mit dem Aufzug wieder nach oben zu fahren. Inzwischen läuft die Karte wieder tadellos...

Kaum angekommen kam auch schon Sabi rüber, um mir die Bücher zurückzubringen, die ich ihr geliehen hatte, und mich auf den neuesten Stand zu bringen. Zwei meiner Mitbewohner, Izzy und Robb, haben ihr Zimmer ( = Robbs Zimmer) verlassen und wohnen jetzt vorübergehend in der Stadt. Wir haben also plötzlich ein freies Zimmer.

Auf dem Weg in die Küche fragte ich: "Ist da schon jemand eingezogen?"
Sabi: "Keine Ahnung, aber Jafar (der mit uns studiert) wollte auch in die Christina Miller Hall ziehen."
Ich mach die Küchentür auf und wer steht in der Küche? Jafar.

Ja, so wie der Bösewicht aus Aladdin. Aber Jafar ist ein netter Kerl, mitte 40, aus dem Irak oder Iran, der mit uns zusammen Übersetzen studiert - Arabisch-Englisch in seinem Fall.

Mal sehen, wie dieser Bewohnerwechsel sich auf die allgemeine Atmosphäre in der Flat auswirkt - vor allem jetzt, wo Bobby grade in Deutschland ist und somit unser größter Charmebolzen fehlt.

Mehr Infos gibt es demnächst.

Cheers!

PS: Bin bei Night Watch auf Seite 294, was beweist, dass ich viel zu viel Zeit hatte.

Montag, 12. Januar 2015

In der Welt zuhause



Seit gestern Abend bin ich wieder auf schottischem Boden und seit heute sind die Ferien definitiv vorbei.

Das zweite Semester hat offiziell begonnen und obwohl ich schon ganz schön erstaunt darüber bin, wie sehr die Zeit verfliegt, hat mich etwas anderes viel mehr überrascht.

Ich war drei Wochen lang zuhause in Deutschland und habe mich vorher auch schon sehr darauf gefreut, wieder dorthin zu fahren und meine Familie und Freunde zu sehen. Aber als ich dann dort war, habe ich mich immer wieder dabei erwischt, von meiner Rückkehr nach Schottland so zu reden:

"Wenn ich wieder heim fliege."

Selbst gestern morgen bei all der Hektik, der langen Fahrt zum Flughafen, der elenden Warterei in Stuttgart und dann nochmal in London Heathrow und den nervtötenden Sicherheitskontrollen (in Stuttgart haben sie jetzt Nacktscanner. Ich werd nimmer!), war ich kein Bisschen nervös.

Warum auch?

Ich wusste, wo ich hinfliege. Ich wusste, wie es da aussieht, dass meine Sachen da sind, kenne mich in der Gegend aus, habe Freunde da ...

Und fühle mich zuhause.

Home away from home, wie man so schön sagt. Ein Zuhause weg von Zuhause.

Ja, ich vermisse meine Familie und meine Freunde in Deutschland, während ich hier bin ... aber wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich dafür Schottland und alles, was dazugehört. Und plötzlich bin ich froh, dass erst Januar ist und ich noch bis Ende August hier sein darf, um dieses fantastische Land zu entdecken und nebenbei zu studieren und neue Leute kennenzulernen und einfach so viele Erfahrungen zu sammeln, wie ich kann.

Wenn ich vorher schon diesen Verdacht hatte, dann hat er sich seit meiner Rückkehr nur bestätigt:

Dieses Auslandsstudium zu machen war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Cheers! 

Update: die Termine für die Ausflüge in diesem Jahr sind jetzt bekannt. Siehe "Ausflüge und Events" für weitere Details.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Weihnachtszeit ist Prüfungszeit

Ja, ich lebe noch.

Seien wir mal ehrlich - im November gibt es nichts zu tun. Wäre ich in den USA, hätte ich einen langen Eintrag über Thanksgiving schreiben können, aber sowas wird hier nicht gefeiert.

Stattdessen befindet sich Edinburgh seit dem 1. November im Weihnachtsrausch. Es ist immer wieder faszinierend, wie alle Halloweendekorationen über Nacht aus den Schaufenstern verschwinden und durch Lichterketten und Weihnachtskugeln ersetzt werden.

Nicht, dass ich davon allzu viel zu sehen bekommen hätte.

Den Großteil des Novembers habe ich in der Uni-Bibliothek verbracht. Und wenn ich sage "Großteil" dann meine ich, dass ich an meinen freien Tagen gegen 12 oder 1 Uhr mittags dort aufgetaucht bin, zum Abendessen zurück in die Wohnung ging und dann direkt wieder herkam ... gelegentlich bis 5 Uhr morgens. Mein Projekt für CAT (Computer Aided Translation) hab ich am Freitag abgegeben, jetzt muss ich nur noch bis nächsten Freitag einen Essay für International Politics schreiben und für die Spanischprüfung am 19. Dezember lernen.

Damit bin ich noch gut dran - meine armen Flatmates sind nämlich ganz schön im Prüfungsstress. Naja, alle außer Bobby und Izzy, die hatten ihre Prüfungen letzte Woche schon. Um uns alle anzutreiben, hat Bobby gestern netterweise für jeden von uns einen Exam Survival Pack in die Küche gestellt:

Lieb, oder?

Aber natürlich ist nicht alles nur Lernstress. Gestern war ich beispielsweise mit ein paar anderen Leuten Essen und hab mich anschließend mit Franzi und Sabrina aus meinem Kurs in der Stadt getroffen - über beide Weihnachtsmärkte bummeln und Fotos vom festlichen Edinburgh machen.

Der größere (und wesentlich überfülltere) Weihnachtsmarkt in der Stadt befindet sich direkt an der Princes Street und ist allgemein als der "deutsche" Weihnachtsmarkt bekannt. Spätestens beim Anblick dieses Schildes an einem der Stände blieben keine Fragen mehr offen:

Unter anderem im Angebot: Bratwurst, Currywurst und sogar Krakauer! Oh, und Bratkartoffeln und Nackensteaks. Außerdem Glühwein und Apfelstrudel. Alles auf Deutsch mit englischen Beschreibungen, damit die nicht-deutschen Besucher auch wissen, was sie da zu essen bekommen. Was es leider nicht gibt, sind Schnitzel, sehr zu meiner persönlichen Enttäuschung.

Abgesehen davon hat der Weihnachtsmarkt noch Lichterkettenbäume, ein Riesenrad und ein hohes Kettenkarussel zu bieten:
Edinburgh Castle und einige der beleuchteten Bäume

An diesem Motiv konnte ich nicht vorbeigehen, ohne ein Foto zu machen

Die Kinderabteilung des Weihnachtsmarkts mit dem Weihnachtsbaumverkauf

Das Riesenrad, das neben dem Monument gar nicht sooo riesig erscheint

Und hier das Kettenkarussel - warum man bei der Kälte da mitfährt, ist mir ein Rätsel

Dieser Baum hier bewirbt sich noch für eine Rolle im nächsten Horrorfilm

Der kleinere, nicht-deutsche Weihnachtsmarkt mit Eislaufring

Na sowas - noch mehr beleuchtete Bäume! 100% künstlich aber definitiv beeindruckend

Einige Gebäude sind so hell erleuchtet, dass man sie nur mit Sonnenbrille ansehen kann

Und die hier hatten eine Art Sternschnuppenregen zusätzlich zur Lichterwand




Die Rose Street, die parallel zur Princes Street verläuft, sieht derzeit so aus
Weihnachten in Edinburgh - und dabei hab ich noch nichtmal Gelegenheit gehabt, ein richtiges Foto vom deutschen Weihnachtsmarkt zu machen - das folgt dann in ein paar Tagen, wenn ich das nächste Mal in der Stadt war. Aber erst muss ich einen Essay schreiben.

Cheers!

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Mein neuer Wecker und erste Aufgaben im Studium

Nach einer beispiellos lange andauernden Stille kommt endlich ein neuer Blogpost von mir.

Ja, ich lebe noch, auch wenn man versucht, mich mit Schlafentzug zu zermürben.

Am Montag ging ich zu meiner üblichen Zeit ins Bett - nachts um zwei. Mit dem Wissen, am nächsten Morgen um 8:30 Uhr kurz aufstehen zu müssen und dann weiterschlafen zu können, war das ja auch kein Problem.

Leider bin ich ein sehr hellhöriger Mensch und wache bei unbekannten Geräuschen schon auf, bevor sie richtig loslegen können.

Aus diesem Grund saß ich auch schon senkrecht im Bett, als der Feuermelder in meinem Zimmer gerade metaphorisch tief Luft holte, ehe er anfing zu piepen und rot zu blinken und überhaupt einen Heidenradau zu veranstalten.

Probealarm in der Christina Miller Hall (West & East). Um 6:30 Uhr morgens.

Dank Jennys Warnungen vom letzten Jahr bezüglich des Feueralarms war ich vorbereitet, konnte aus dem Bett direkt in meine Klamotten fallen und wankte circa eine Minute später in Jeans, Winterstiefeln und Mantel raus in den kalten, dunklen Herbstmorgen. Das einzige, wofür ich keine Zeit hatte, waren meine Kontaktlinsen, und so wäre ich beinahe an meinen Mitbewohnern vorbeigetaumelt, wenn Robert mich nicht angesprochen und aufgehalten hätte.

Umringt von bibbernden, müden Studenten, die teils nur in Bademäntel gekleidet waren, verbrachten wir eine halbe Stunde damit, in der Kälte auszuharren, während die Wardens jedes Zimmer überprüften um sicherzugehen, dass auch wirklich jeder die Gebäude verlassen hatte. Dann durften wir zurück in unsere Betten fallen - in meinem Fall für eine Stunde, ehe um 8:30 Uhr der Wecker klingelte - diesmal der richtige.

Nochmal aufstehen, nochmal anziehen (diesmal inklusive Kontaktlinsen), und zum Henry Prais Building wanken, um meine Übersetzung abzuliefern. Die war fällig und wird benotet. Ich dachte, ich sollte das erwähnen, damit ihr nicht auf die Idee kommt, ich wäre zum Spaß hier (obwohl ich mir den natürlich trotzdem nicht vermiesen lasse).

Wo wir schon beim Thema Spaß sind - gestern habe ich den ganzen Tag damit verbracht, mein Critical Review zu einem Artikel zu schreiben. Eigentlich hatten wir dafür schon 4 Wochen Zeit und Abgabe ist diesen Freitag, aber wer mich kennt dürfte wohl eher überrascht sein, dass ich nicht erst am Donnerstag damit angefangen habe. Dafür hab ich den ganzen dämlichen Text dann auch brav gelesen, recherchiert und mein kritisches Review dazu verfasst. Und das, obwohl meine Freunde mich mit neuen Bildern von einem gewissen Schauspieler ablenken wollten.

Danke für die Manipulationsversuche, Leute.

Zur Belohnung bin ich dafür heute mit einer Mitstudentin aus meinem Spanischkurs in die Stadt gefahren, wo sie mir die deutsche "Feinbäckerei und Konditorei" (ja, ein deutscher Name) zeigte und ich endlich mal wieder eine leckere Torte vor die Nase bekam:



Lecker!

Nicht ganz so gut wie die von Oma, aber an Omas Schokosahnecremetorte kommt sowieso niemand ran, daher ist ein Vergleich unfair und sollte nicht gezogen werden.

Cheers!

Dienstag, 10. Juni 2014

Wie man sich bei einer Uni bewirbt ...

... ohne den Verstand zu verlieren

In meinem Fall lautet die korrekte Antwort: Gar nicht.

Nachdem ich Ende März alle Referenzen von meinen ehemaligen Lehrkräften zusammengesammelt hatte (zwei) und alle möglichen und unmöglichen Dokumente eingescannt hatte, füllte ich den Online-Bewerbungsbogen der Heriot-Watt University in Edinburgh aus und schickte ihn ab.

Profi-Tip: Wer eine andere Universität besuchen will, sollte sich auf der jeweiligen Website der gewünschten Uni deren Bewerbungsbogen suchen.

An dieser Stelle begannen die Probleme.

Es stellte sich heraus, dass irgendjemand in der Universität nicht in der Lage war, meine E-Mail-Adresse korrekt zu lesen und abzuspeichern. Vermutlich, weil sie ein I für ein kleines l hielten. Ich erfuhr von diesem Fehler etwa drei Wochen später, als mich ein BRIEF der Universität erreichte, in dem ich gebeten wurde, mit der Universität in Kontakt zu treten, da sie mir gerne ein Angebot machen würden, dies aber mangels funktionierender E-Mail-Adresse nicht könnten.

Ich schickte ihnen daraufhin von meiner anderen E-Mail-Adresse aus eine Nachricht und erhielt meine Bewerbungsunterlagen, die ich ausdrucken, ausfüllen und zurückschicken musste.

Profi-Tip für Unis: Wenn ihr mir schon einen Brief schickt, um mir zu sagen, ihr würdet mir gerne ein Angebot machen - WARUM legt ihr dann nicht die verdammten Unterlagen mit rein?!

Profi-Tip für Bewerber: Wenn ihr eure Unterlagen dann ausgedruckt und ausgefüllt habt, scannt sie doch einfach ein und schickt sie per E-Mail an die Uni. Dann die Orginale in einen Umschlag stecken und per Post schicken. Die Royal Mail ist notorisch dafür, dass Briefe selten ankommen - und wenn, dann mit ein paar Monaten Verspätung.

Natürlich hatte mich niemand darauf hingewiesen, eine E-Mail mit den angehängten Scans der Unterlagen zu schicken - es stand auch ausdrücklich "per Brief" bei den Anweisungen auf den Dokumenten, daher musste ich sie später einfach nochmal ausdrucken, ausfüllen, einscannen und per E-Mail abschicken.

An dieser Stelle begannen die Probleme, lächerlich und nervtötend zu werden.

Aus mir völlig unbekannten Gründen war dies der Moment, in dem das Universum beschloss, mir unnötig Stress zu bereiten.

Plötzlich war es vollkommen unmöglich, E-Mails an die Universität zu schicken, weil deren E-Mail-Adresse geblacklisted wurde. Grundlos. Juhu.

Ich musste also die gescannten Dokumente einer Freundin schicken, die glücklicherweise selber grade an der Universität studiert und so nett war, sie auszudrucken und persönlich im Sekretariat abzuliefern. Vielen Dank nochmal ♥

Einen Großteil des weiteren Bewerbungsverfahrens klärte ich am Telefon, wobei ich die Uni darauf aufmerksam machte, dass ich keine E-Mails an sie schicken konnte. Zur selben Zeit stellte sich heraus, dass sie mir ebenfalls keine E-Mails zusenden konnten, weil irgend ein Genie in der Administration es geschafft hatte, aus der Endung meiner E-Mail-Adresse (.de) ein .cde zu machen.

Profi-Tip: Wenn ihr einen E-Mail bekommt, dann klickt doch einfach auf "Adresse zum Adressbuch hinzufügen" - dann müsst ihr sie nicht abtippen und es entstehen keine Fehler. Um Himmels Willen.

Nachdem ich diesen Fehler korrigiert hatte, war wenigstens eine einseitige schriftliche Kommunikation wieder hergestellt und ich antwortete auf weitere E-Mails telefonisch.

Nach langem Hin und Her erhielt ich einen Termin für den Aufnahmetest (zwei kurze Übersetzungen, einmal ins Englische und einmal vom Englischen ins Deutsche) - in Edinburgh auf dem Campus.

Kurz darauf folgte glücklicherweise eine E-Mail mit einer Entschuldigung und der Information, ich könnte den Test selbstverständlich auch an meiner ehemaligen Schule, der Würzburger Dolmetscherschule, ablegen, solange eine Lehrkraft bereit wäre, dabei die Aufpasserin zu spielen. Netterweise gab es gleich mehrere Personen, die sich dafür angeboten hatten, also war das kein Problem.

Nachdem ich den Test dann endlich diesen Mai abgelegt hatte, begann wieder die Warterei. Schließlich erhielt ich eine E-Mail mit einer Einladung zu einem Interview auf Skype, zwei möglichen Terminen und der Bitte, ich solle doch meinen Skype-Usernamen und die Zeit, an der es mir am besten passt, per E-Mail an sie zurückschicken.

Ich verbrachte hoffnungsvolle fünf Minuten mit dem Verfassen einer Antwort und klickte auf Senden.

Es wird an dieser Stelle sicher niemanden überraschen, dass ich erneut eine Fehlermeldung erhielt. Die Adresse der Uni war immernoch geblacklisted. Großartig.

Natürlich passierte all dies am Pfingstwochenende - das Büro der Uni war telefonisch nicht erreichbar, genausowenig wie die Service-Zentrale meines E-Mail-Anbieters.

Letzten Endes habe ich die E-Mail an meinen Vater weitergeleitet, der sie dann von seinem Arbeitsplatz aus versendete. Aber erst, nachdem ich versucht hatte, mir ein anderes E-Mail-Konto bei einem anderen Anbieter zu erstellen - auch dort funktionierte es nicht. Schlussfolgerung: Der Internet-Provider ist Schuld.

Wir schickten eine Beschwerde-Mail an diesen Provider (die Ironie tut weh) und erhielten den Rat, uns an meinen E-Mail-Provider zu wenden. Der war nicht erreichbar. Wie gesagt, Feiertag. War aber auch gut so, denn natürlich hätte ein Anruf bei der Service-Hotline 3,99€ gekostet.

Daraufhin füllte ich ein Beschwerde-Formular aus, das ich gut versteckt über einen ebenso gut versteckten Link ganz unten auf der Website fand, und schickte es an den E-Mail-Provider. Nach Klick auf "Senden" erhielt ich eine Mitteilung, man würde sich "umgehend" mit mir in Verbindung setzen.

Profi-Tip: "Umgehend" ist Beamtendeutsch für "irgendwann in den nächsten drei Wochen"

Ich hoffe, dass dieses Problem endlich behoben wird - es wird doch ein wenig nervig.

Achja, heute hatte ich übrigens das Skype-Interview. Es lief ganz gut und aus dem "I hope to see you here in September" schließe ich mal, dass sie mir früher oder später offiziell sagen, dass sie mich nehmen. Aber bis dahin dauert es bestimmt noch ein paar Tage/Wochen.

Fazit: Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und bleiben gelegentlich grundlos stecken. Aber am Ende kommt möglicherweise doch Mehl raus.

Bis zum nächsten Mal!