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Sonntag, 16. Juli 2017

Love Happens Here

Letztes Wochenende war hier in London die jährliche Pride Parade, bei der Menschen, die nicht dem heteronormativen und/oder bigeschlechtlichen Weltbild entsprechen, sich so richtig austoben konnten. Das Motto dieses Jahr war "Love Happens Here" - Liebe passiert hier.

Klar, dass ich so ein tolles Event auf keinen Fall verpassen konnte!

Bei strahlendem Sonnenschein und fast schon unerträglicher Hitze standen meine Mitbewohnerinnen und ich also letzten Samstag am Trafalgar Square, haben uns mit einigen meiner Arbeitskollegen getroffen und uns darüber gefreut, dass wir in einem Land leben, in dem Menschen nicht von der Regierung ermordet oder weggesperrt werden, weil sie es wagen, die "falsche" Person zu lieben.

Sabi, Laura, ich, Fady und Mark

Mein Kollege Santos und ich
 Dinge, die ich während des gesamten Tages gesehen habe:
  • lachende, glückliche Menschen
  • sozial und politisch engagierte junge Leute
  • fremde Menschen, die sich umarmten und sich Komplimente machten
  • das Leuchten in den Augen der Parade-Teilnehmer, als sie die alte Asiatin neben mir gesehen haben - ich glaube, sie wurde von etwa 200 Leuten umarmt
  • Regenbögen. So viele Regenbögen.
  • Polizisten, die mit halbnackten Leuten Selfies machten und dabei tierisch Spaß hatten
  • ein Auto mit Einhorn-Horn
Dinge, die ich während des gesamten Tages nicht gesehen habe:
  • Streits
  • Kämpfe/Schlägereien
  • Menschen, die sich beschimpft haben
  • irgendeine andere Art von Gewalt 
Ich ging durch London, eine Regenbogenfahne im Gesicht und "Love is Love" auf dem Arm, und dachte mir:
"Wenn die Welt immer so wäre, wäre sie ein besserer Ort."
 Zum Abschluss noch ein paar Bilder:





Die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren alle vertreten und wurden lautstark bejubelt





Auch aus der islamischen Gemeinde fanden sich Teilnehmer



Laura, Sabi und ich



Disney war besonders farbenfroh





Nett sein ist sexy



Denn nur fragile Egos fürchten Gleichberechtigung

Die einzige Entscheidung, die ich traf, war die, ich selbst zu sein.

Gleichberechtigung ist ein Recht, kein Privileg.



Als dieses Banner hochging, applaudieten alle auf dem Platz - die allgemeine Meinung zu Theresa Mays Koalition mit der DUP ist offensichtlich.  


Am nächsten Tag haben wir drei Mädels dann noch auf unserer Terrasse endlich unseren neuen Kugelgrill eingeweiht und ganz allgemein das ganze Wochenende damit verbracht, so richtig viel Spaß zu haben. Wenn ich ein perfektes Wochenende aussuchen müsste, wäre es wohl dieses.

Cheers!

Sonntag, 4. Juni 2017

Ein Ausflug ans Meer

Da das Wetter gestern so schön war - wenn auch recht windig - haben meine Kolleginnen und ich ein Grilltreffen vereinbart und sind nach Eastbourne gefahren, wo eine von uns wohnt. Eastbourne liegt am Meer, etwa eine halbe Stunde Zugfahrt von Brighton entfernt, und ist ein schönes Städtchen, das mich ein wenig an ähnliche Orte an der deutschen Nord- und Ostseeküste erinnert hat.

Bei strahlendem Sonnenschein sind wir vom Bahnhof erstmal zum Strand gelaufen, denn wenn man ein paar Monate lang in London war, ist man echt froh, wenn man ans Meer kommt. Wie schlecht die Luft in London ist, merkt man häufig erst, wenn man sie plötzlich nicht mehr einatmen muss.

Wir haben uns in die Sonne gesetzt, sind im recht kalten Wasser herumgehopst und Celine und Nicki haben ein kleines Bauwerk errichtet, was bei dem Wind gar nicht so leicht war.


Celine und Kerstin am Strand


Nicki und ich hatten viel Spaß mit Wind und Wellen


Endlich wieder barfuß am Strand!


Das ist das erste Mal seit langem, dass ich es ans Meer geschafft habe

Das Meisterwerk des Tages

Meine Kolleginnen und ich - Verfechter der deutschen Sprache
Nach unserem kleinen Strandausflug ging es dann weiter zum Einkaufen und danach zu Celine nach Hause, wo wir im Garten gegrillt und ihre wunderschönen Katzen bewundert haben.

Hühnchen mit Jalapenos und Chilisauce. Später gab es dann noch Burger

Aya

Yuki

Diese Augen!

Aya und Yuki durften nicht mit in den Garten, haben uns aber neugierig beim Grillen zugesehen.
Ehrlich gesagt ist es ein Wunder, dass ich die Katzen nicht eingepackt und mitgenommen habe - hab selten so schöne Tiere gesehen. Die Rasse nennt sich Ragdoll, falls jemand Interesse hat, und sie haben unglaublich weiches Fell.

Clever sind sie übrigens auch noch - sie können einen High Five geben, sich auf Kommando hinlegen und auch rollen. Und, das großartigste von allen: sie können aufs Klo gehen. Ein Klobrillenaufsatz wie für kleine Kinder und zwei Jahre Training waren dafür nötig, aber jetzt spart Celine sich für die nächsten 10-20 Jahre die Kosten für Katzenstreu.

Nach unserem Festmahl auf der Terrasse war es dann leider auch schon 18 Uhr und wir haben uns von einem Taxi zum Bahnhof bringen lassen, um wieder nach London zu fahren. Als ich schließlich zuhause angekommen bin, habe ich kaum die Tür hinter mir zugemacht, bevor es auch schon anfing zu regnen. Glück muss der Mensch auch haben.

Leider wurde der schöne Tag gestern Abend dann doch noch getrübt, als wir 15 Minuten lang Dauer-Sirenen an unserer Wohnung vorbeirasen hörten und in den Nachrichten von dem schrecklichen Anschlag auf der London Bridge und am Borough Market gelesen haben. Die Verantwortlichen gehören allesamt im Meer ertränkt.

Glücklicherweise ist meine Wohnung relativ weit im Süden, wo es keine Touristen gibt, und auch mein Arbeitsplatz liegt in einem Gebiet, durch das Touristen maximal auf dem Weg zu interessanten Orten durchlaufen - die Chancen, dass ich jemals in so ein Chaos gerate, sind also sehr gering. Man kann zwar leider nie wissen, aber ich hoffe, ihr macht euch nicht zu viele Sorgen.

Cheers!

Montag, 24. Oktober 2016

Willkommen im Berufsleben

Meine erste Arbeitswoche liegt jetzt hinter mir und bisher kann ich sagen, dass ich es echt gut getroffen habe:

  • nette Kollegen und Vorgesetzte
  • ein schönes Büro
  • entspannte Atmosphäre
  • lockerer Umgang miteinander
  • verhältnismäßig kurzer Weg zur Arbeit
  • Süßkram
Nur eine Sache versaut mir den Spaß bisher ganz schön: die Module. Aber dazu gleich mehr.

In meiner ersten Woche gab es für mich noch nicht allzu viel zu tun. Am ersten Tag gab es den üblichen Papierkram, eine Tour durch das Büro im Hauptquartier und dann einen Spaziergang zum "ausgelagerten" Büro in Aldgate, wo ich arbeite. Was es noch gab? Namen. Viel zu viele Namen und Gesichter. Bis ich mein einjähriges Firmenjubiläum feiere, kenne ich vielleicht endlich alle.

Ich wurde also herumgeführt, jedem im Team persönlich vorgestellt, habe prompt alle Namen wieder vergessen, und bekam dann meinen Arbeitsplatz gezeigt.

Und dann kam er. Der Beweis, dass Dante sich ordentlich verzählt hat, denn ich habe ihn gefundden: den zehnten Kreis der Hölle.

Die Module.

Die Module sind büroweit bekannt und gefürchtet. Hier eine Unterhaltung zwischen mir und einer neuen Kollegin, stellvertretend für die Meinung aller:
Catherine: "Hey, wie geht's?"
Ich: "Geht so, ich mach grade die Module."
Catherine: "Oh Gott! Du Arme! Aber das geht vorbei..."

Die Module bestehen übrigens zum größten Teil aus Videos, die ich mir ansehen muss. Meistens so 30-50 Minuten lang und TODLANGWEILIG.

Man sieht einen Computerbildschirm auf dem irgend ein Programm benutzt wird, und eine Stimme aus dem Off erzählt dann Dinge dazu. Das Problem ist nur, dass man nicht mitarbeiten kann, und dieser Frontalunterricht einem einfach nur langsam das Gehirn verrotten lässt. Tatsächlich habe ich heute beim achten Modul an diesem Tag wirklich befürchtet, dass es mir gleich aus der Nase tropft.

Jedes beendete Modul ist ein kleiner Grund zum Feiern - und dann kommt das nächste und so versinnkt man langsam immer tiefer in der Hölle.

Zum Glücke habe ich inzwischen etwa 80% der Module geschafft. Morgen und am Mittwoch nochmal und dann sollte ich (hoffentlich) fertig sein. Ab Mittwoch darf ich dann auch endlich sogenannte Mock Jobs machen, also praktisch eine Simulation einer normalen Arbeitssituation, wo ich alte Aufträge noch einmal bearbeite, um Übung zu bekommen und einen Rhythmus zu finden, bevvor ich dann ab Januar die echten Jobs erledigen darf/soll/kann/muss.

Meine Kollegen sind ürigens alle echt super nett. Sie kommen aus allen Ecken der Welt und so hat jeder immer was interessantes zu erzählen. Dazu kommt, dass sie alle jede Gelegenheit nutzen, um eine kurze Auszeit zu genießen.

Im Moment haben sie einen Backwettbewerb laufen, also bringt jeden Montag jemand einen Kuchen mit, den dann alle essen und bewerten können. Wenn jemand im Urlaub war, bringt er oder sie Süßigkeiten von dort mit, von denen sich dann jeder bedienen kann. Und wenn jemand Geburtstag hat - was bei so einem großen Team praktisch jede Woche der Fall ist - dann unterschreiben alle eine Karte, besorgen einen großen Schokokuchen und legen zusammen, damit das ganze Team abends in den Pub gehen kann.

Auf diese Art kam ich letzte Woche in den Genuss von Schokotrüffeln aus einem Kloster in Spanien, in die man sich glatt reinlegen könnte. Ein ganzer Kuchen daraus könnte direkt als Mordwaffe für Diabetiker herhalten. Herrlich!

Mein Ernährungsplan sieht also derzeit ungefähr so aus:

Frühstück (Toast oder Cornflakes), Kuchen, Mittagessen, irgendwas Süßes, Abendessen.

Wenn ihr mich das nächste Mal seht, bin ich bestimmt ein paar Kilo schwerer...

Achja, hier übrigens ein Bild von meinem neuen Stiftehalter:

Genial, oder? :D

Das war es erstmal von mir, in den nächsten Tagen folgt dann ein Bericht über mein Zimmer und ein paar Bilder von meinem Zimmer und aus der Stadt selbst. Leider habe ich ja nur am Wochenende Zeit für Ausflüge, und da steht häufig erstmal der Einkauf von Lebensmitteln auf dem Programm. Aber keine Sorge - Bilder von meinen Abenteuern folgen!

Cheers!